Frauenmännermacht - Tag der Archive 2014

Frauenmännermacht - zum Tag der Archive 2014

Dass am 8. März Frauen*kampftag ist, sollten alle mitbekommen haben. Dass dieser Tag (genaugenommen das Wochenende 8./9. März) aber ebenfalls der 7. Tag der Archive ist, das könnte an der einen oder dem anderen vorbeigegangen sein. Auf Grund dieses Zusammenfalls hat sich der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare „ganz bewusst für ein Gender-Thema entschieden“, weshalb der diesjährige Archivtag den Titel Frauen – Männer – Macht trägt. Das schreit natürlich nach ein paar Zeilen von unserer Seite, also los:

Die Worte zum Patriarchat werde ich mir sparen und mir den ausgewählten Titel mal von der weniger offensichtlichen, aber deshalb umso wichtigeren Perspektive vornehmen. Lesen wir die Gedankenstriche als Bindestriche oder lassen sie ganz weg, ergibt sich daraus das Wort Frauen-Männer-Macht oder eben Frauenmännermacht, was ich sehr treffend finde zur Benennung eines Machtverhältnisses, das eher selten sichtbar gemacht wird. Es geht um die Macht von Menschen in unserer Gesellschaft, die sich selbst als Frauen oder Männer definieren und das ohne Fragezeichen, Sternchen oder Unterstrich. Die Macht von Frauen und Männern, die so selbstverständlich Frauen und Männer sind, dass sie sich dieses Privilegs überhaupt nicht bewusst sind.

Cissexismus ist nach wie vor so verbreitet, dass der Großteil der Gesellschaft noch nicht einmal mit dem Begriff etwas anfangen kann. Schließlich beschreibt er eine Form der Diskriminierung, die zunächst als solche wahrgenommen werden muss. Voraussetzung dafür ist aber als erstes das Wahrnehmen der Personen, die von dieser Diskriminierung betroffen sind. Ob diesen in der Lebensrealität von Cis-Menschen Raum gegeben wird, können letztere aber ganz alleine entscheiden. Dass sie z.B. die Definitionsmacht darüber besitzen, was Geschlecht ist und wer welchem Geschlecht zugewiesen wird, wird meistens gar nicht erst in Frage gestellt. Um sich diese Frage zu stellen, müssten sie sich ihrer Macht bewusst sein und genau hier liegt das Problem. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Macht ist nur dann möglich, wenn sie als solche erkannt wird.